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Kaffee und Zucker

Autorenbild: Kannan Palani
Kannan Palani
14. Sept.
3 Min. Lesezeit

"Zucchero, wie Zucker auf Italienisch. Er ist Kaapi, Kaffee auf Tamil," sagte ich, lächelnd und müde, kaum dass wir beide wieder zu Atem gekommen waren. Zucker und Kaffee. Zwei Namen, die an denselben Tisch gehörten und, soweit wir beide wussten, sonst nirgendwohin.


Ein paar Minuten zuvor hatte niemand gelächelt. Er hatte es gespürt, bevor ich es merkte, wie immer. Ein Zucken entlang der Wirbelsäule, das Schwarz wurde zu einer schmalen, glänzenden Linie, als sich das Fell aufstellte, und das übliche neugierige Schnuppern wich einer Stille, die bedeutete, dass er nicht mehr einfach mitlief, sondern das Kommando übernommen hatte. Das Bellen begann, bevor wir den anderen Hund überhaupt sahen, und als Zucchero in Sicht kam, verhandelten die beiden bereits etwas Uraltes und völlig Unnötiges, die Leine bis zum Äussersten gespannt, wie ein Seil in einem Wettkampf, den keine Seite vor dem Dorf verlieren durfte.





Vor fast drei Jahren, auf einer offenen Wiese, riss sich Zucchero von der Leine los und rannte direkt auf Kaapi zu, schnell und selbst unsicher, was er eigentlich wollte. Ich liess Kaapi ebenfalls los, aus einem Instinkt heraus, und die beiden trafen sich irgendwo in der Mitte, beschnupperten sich und rannten dann einfach los, ausgelassen, nebeneinander, als hätte es die ganze Inszenierung nie gebraucht. Ich leinte Kaapi wieder an und ging zufrieden davon. Ein paar Minuten später sah ich, wie Zuccheros Besitzer über dieselbe Wiese rannte, die Arme ausgestreckt, einen Namen rufend, der nicht gehorchen würde. Wir leben in einem Dorf mit einer Strasse mittendrin und keiner Wiese, die eine solche Freiheit ein zweites Mal verzeiht, und so sind die beiden seither Feinde geblieben, rein aus Prinzip, einzig weil eine Leine aus Hunden Fremde macht, die es eigentlich besser wissen.


Kaapi trägt übrigens offiziell den Namen Yasko von Bächligraben, schwarz-braun, ein Deutscher Pinscher mit einem Fell, das das Licht einfängt, bevor man ihn überhaupt kommen sieht. Wir nennen ihn Kaapi. Kaffee, in der Sprache einer Stadt, die er nie gesehen hat, für einen Hund, der offenbar keinen Zucker brauchte, um sich einen Feind zu machen.

Am Esstisch ist er ein völlig anderes Tier, geduldig auf eine Art, die keine Hundeschule ihm beigebracht hat. Wir essen immer zuerst fertig, und erst wenn der Tisch abgeräumt ist, bekommt er die trockene Pizzaecke oder das Brotende, eine Regel, die er befolgt, seit er alt genug war, um zu verstehen, dass es sie gibt. Doch die Geduld ist nicht das Interessante. Interessant ist, dass er vier verschiedene Umgangsformen pflegt, eine für jeden von uns. Bei unserer Tochter dreht er eine volle Runde, noch bevor sie richtig gefragt hat, manchmal sogar bevor sie überhaupt daran gedacht hat. Bei mir wartet er einfach, ohne Kunststücke. Bei meiner Frau achtet er auf seine Haltung, weil sie ihm mehr als einmal gesagt hat, er solle nicht wie ein Tarpan essen, und irgendwie hat er die Botschaft verstanden. Bei unserem Sohn ist er pures Unfug, eher Geschwister als Haustier. Versucht jemand von uns, den Befehl unserer Tochter an ihrer Stelle zu geben, legt er den Kopf schief und tut nichts, offenbar nicht überzeugt, dass sich Autorität einfach über den Tisch weiterreichen lässt wie ein Stück Brot.


Es gibt einen Ton, den er sich für die Schulwege aufhebt, oder für die Tage, an denen wir die Kinder zum Bahnhof bringen. Er beginnt nasal und leise, sobald das Auto losfährt, ein dünner Ton, mehr durch die Nase als aus der Kehle, und er steigert sich in dem Moment, in dem er begreift, dass er eingesperrt ist und selbst nichts ändern kann. Dann klingt es fast wie Bellen und Weinen zugleich, und wer lange genug zuhört, hört fast Worte darin. Seht ihr das nicht. Ihr lasst sie zurück. Wartet, wartet. Das macht er, bis der Bahnsteig oder das Schultor längst ausser Sicht sind, und dann, so plötzlich wie es begonnen hat, hört er auf, zufrieden, dass er gesagt hat, was gesagt werden musste, auch wenn niemand umgekehrt ist. Mit dem Wiedersehen fand er sich erst ein paar Stunden später ab.

 
 

© 2026 Kannan Palani

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