Partnerschaften im KI-Zeitalter: Menschliche Verbindung ohne Gegenleistung
- Kannan Palani

- 25. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Szene 1: „Kein Problem, ich warte vor dem Bahnhof auf dich zur neuen Zeit" – die Nachricht kam fast sofort, nachdem ich geschrieben hatte, dass ich eine Stunde später ankommen würde. Ich fühlte mich wie ein VIP. Was war daran so ungewöhnlich? Meine Gastgeberin war eine völlig Fremde, die mich abholte und mir erlaubte, zwei Nächte gratis in ihrer zentral gelegenen, sauberen Wohnung zu schlafen. Ein kostenloses Airbnb. Dazu gab es zwei Stadtführungen mit Architektur Trivia, die Wärme eines Stammgastes in der besten napoletanischen Pizzeria der Stadt und Gespräche über das Leben in Amman und Nancy aus den Augen meiner Gastgeberin. Das Highlight des Aufenthalts war natürlich der Stopp in einem Café, wo sie zwei Gäste skizzierte, während sie mit mir Französisch sprach und ich auf Deutsch antwortete. Willkommen beim Couchsurfing.
Szene 2: „Good Evening. Planting the saplings is done" so lautete die kurze Nachricht meiner Kandidatin. Seit zwei Jahrzehnten habe ich den Arbeitsmarkt aus der Vogelperspektive beobachtet, viele Geschichten gehört und ein überzeugendes Buch gelesen („Bullshit Jobs"). Ich bin überzeugt: Die beste Einheit, um Arbeit zu messen, ist nicht die Zeit und die beste Kontrolle ist definitiv nicht die Anwesenheit vor einem Computer in Meetings. Dennoch ist genau das, was die Wissensarbeit geprägt hat. Um dies in die Praxis umzusetzen, habe ich als ich meine erste Mitarbeiterin einstelle, einige Anstrengungen unternommen, um zu sehen, ob meine junge Kandidatin wirklich Wert schaffen kann und ihre bescheidene Rolle im Prozess versteht. Und das hat sie. Auf beeindruckende Weise. Fast eine Woche früher als erlaubt. Mit Ausdauer, Kreativität, Geduld, Einfühlungsvermögen, Teamgeist, Budgetbewusstsein, Erwartungsmanagement und noch vielem mehr. Wenn sie mein Angebot annimmt, wird sie vielleicht bald ihren eigenen Blogbeitrag schreiben.
Szene 3: „Man kann so vieles selbst erledigen warum müssen wir überhaupt jemanden einstellen?" fragte mein Freund, während ich meinen Kaffee trank. Die Frage klang einleuchtend, besonders jetzt, wo Tools den Aufwand stark reduziert haben. Ich habe damals nicht widersprochen. Aber ich habe seither darüber nachgedacht. Ich könnte alleine aufbauen aber ich entscheide mich dagegen. Wegen der emotionalen Freude, die Partnerschaften mit sich bringen: Ideen entwickeln, Ziele setzen, streiten, bauen und verkaufen. Das Wichtigste dabei ist jedoch, gemeinsam zu wachsen und nicht auf Kosten anderer.
Diese drei Szenen spiegeln meine breiteren Gespräche mit über einem Dutzend kleiner Unternehmen und Menschen in den letzten Monaten wider. Viele sind auf dem Weg, den ich einschlage, schon weiter und bereit, auf jede erdenkliche Weise zu verbinden, zu teilen und zu unterstützen. Sie haben bereits Dinge herausgefunden, die ich noch nicht weiss. Ja, es gibt durchaus ein „so sehe ich die Welt nicht" aber genau diese Meinungsverschiedenheit bringt enorme kreative Energie. Einschliesslich der Frage meines Freundes, die mich überhaupt erst auf diesen Gedanken gebracht hat. Also, wenn du im Bereich kleiner Unternehmen tätig bist, wenn du nicht hinter der nächsten Finanzierungsrunde her bist, wenn du in der Schweiz oder in Indien tätig bist, und wenn du beim Aufbau etwas zur Gemeinschaft beitragen möchtest, und wenn Geld wichtig ist, du aber tief in dir weisst, dass es mehr als das gibt, würde ich mich freuen, von dir zu hören.
Der Setzling steckt im Boden. Es ist heiss und trocken. Lass uns ihn gemeinsam giessen, bis der Regen kommt und der Teak für sich selbst sorgt.


